Medien, Macht und Tafelspitz mit Gerhard Meier-Röhn


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Gerhard Meier-Röhn war über Jahrzehnte die wichtige Stimme und das prägende Gesicht des Sports für die Zuschauer bei Sportsendungen im Fernsehen. Das SWR-Urgestein gab im Landhaus Noller Anekdoten aus seinem Berufsleben zum Besten, blickte aber an diesem Abend über den mit Tafelspitz gedeckten Tellerrand hinaus und übte teileweise Kritik an Medien, Politik und Gesellschaft.

Klaus Sattler fasste bei der Begrüßung die wichtigsten beruflichen Stationen Meier-Röhns zusammen. Vom Sport- und Landespolitik-Reporter bis hin zum Sportchef des damaligen Süddeutschen Rundfunks. Der in Bretten aufgewachsene Journalist bildete über viele Jahre den vertrauten Anblick des Zuschauers in der Sportschau oder bei Sport im Dritten. Für fünf Jahre wechselte Meier-Röhn die Seiten und wurde Mediendirektor und Pressechef des Deutschen Fußball-Bundes, bevor er bis zu seinem Ruhestand SWR-Studioleiter in Karlsruhe wurde.

Ruhen will der aktive Golfer weder körperlich noch geistig.  „Ich habe dem Journalismus alles zu verdanken“ sagt der 70-Jährige rückblickend, um schnell zu ergänzen „…aber mit etwas Distanz bin ich heute kritisch gegenüber den Medien eingestellt.“

Der Vollblutjournalist nimmt kein Blatt vor den Mund, fordert „wir müssen den Medien vertrauen können – die Medien sind zur Wahrheit verpflichtet“. Meier-Röhn hält den Medien einige Gegenbeispiele vor und kritisiert die Berichterstattungen zu Kachelmann, Wulff, Flüchtlingskrise, Euro usw.

Durch das gegenseitige Aufkaufen von Zeitungen befürchtet Meier-Röhn Monopolstellungen der Verlage bei der Meinungsbildung. „Das ist nicht gut für die Demokratie“, warnt er.

„Die Medien gewinnen ihre Glaubwürdigkeit zurück, wenn sie plural berichteten, schreibt der Medienprofi den Medieneigentümern ins Stammbuch und kritisiert dabei die politische Abhängigkeit von ARD und ZDF. Kritische TV-Formate würden im Abendprogramm nach 23 Uhr versteckt.

„Man darf den Menschen nicht ihre nationale Identität nehmen, sonst sind sie heimatlos“ gibt Meier-Röhn den Europapolitikern mit den auf den Weg, bevor das Feuerwerk eines Vollblutjournalisten endet. Mancher Besucher bedauert beim anschließenden Tafelspitz-Essen, dass Gerhard Meier-Röhn während seiner aktiven Zeit im Fernsehen nicht öfter als kritischer Geist zu Politik und Gesellschaft zu hören und sehen war.

 

Michael Clauss (mic)


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